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Simone Bühler

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05.11.2018

Angelika Waldis

Ich komme mit

Am Anfang ist das Einzige, das die alte Dame Vita und Lazy, den jungen Studenten, verbindet, dass beide schon lange unter einem Dach wohnen.
Aber erst als Lazy an Krebs erkrankt,  sich nicht mehr selbst versorgen kann und Vita ihn völlig geschwächt im Treppenhaus findet und ihn mit in ihre Wohnung nimmt, entwickelt sich eine ungewöhnliche und besondere Freundschaft.

„Leben ist Mitleid mit der Eintagsfliege“
„Leben ist, wenn man Sterben das Letzte findet“
„Leben ist ein Geschenk. Man kann`s nur einmal auspacken“
Wunderbar liest sich das philosophische „Leben ist…“- Wortspiel über Leben und Tod, das Vita und Lazy miteinander ersinnen.

Ich komme mit – ist ein ehrliches Buch. Klar und mit einer warmen Prise Humor bleibt es dem Leser lange in Erinnerung.
„Leben ist sich-umdrehen-wollen, nachdem man an etwas Schönem vorbeigegangen ist.“

(Simone Bühler)

Wunderraum, 20,00 Euro
(inkl. MwSt., versandkostenfrei, Lieferzeit: ca. 2 Tage)
ISBN 978-3-336-54797-5

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13.08.2018

Catharina Junk

Bis zum Himmel und zurück

Katja ist Drehbuchautorin und schreibt lieber Tag und Nacht an einer Fernsehserie über Familie und Liebe, als ihr eigenes Leben auf die Reihe zu kriegen. Die Beziehung zu Ratko, ihrem (ja was eigentlich, Freund?)  ist eher ein Nebeneinander denn ein Miteinander. Ihre eigene Familie zerbrach nach einem schrecklichen Unfall, bei dem ihre Schwester starb, da war Katja noch ein Kind und bis heute gibt sie sich selbst die Schuld daran. Schmerzhaft hat sie gelernt, ihre Gefühle einzuschließen und niemanden so richtig an sich ranzulassen.

Nun aber ruft die Mutter an und sagt, dass der Vater nach einem Schlaganfall im Koma liegt. In Katja sträubt sich alles, sie will nicht in ihr altes Leben zurück und irgendwas aufarbeiten. Doch dann steht Jella vor der Türe, angeblich ihre Halbschwester, eine freche Zwölfjährige, die sich nicht so leicht abwimmeln lässt und die Katja zwingt, sich mit ihrer Vergangenheit auseinanderzusetzen. Und das ist alles andere als einfach.

Ein spannender Familienroman, der durch die komisch-tragische Erzählweise von Catarina Junk herrlich zu lesen ist. Die Charaktere sind liebevoll und mit Tiefe ausgearbeitet. Man fühlt mit Katja in ihrer Verletzlichkeit mit und lacht im nächsten Moment über ihre Tollpatschigkeit und ihren wunderbar sarkastischen Humor.

(Simone Bühler)

 

Kindler, 17,95 Euro
(inkl. MwSt., versandkostenfrei, Lieferzeit: ca. 2 Tage)
ISBN 978-3-463-40694-7

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28.05.2018

Anne Reinecke

Leinsee


Kirschviolett-Seidenschalgelb-Regentageblau -  jedes Kapitel des Debütromans von Anne Reinecke hat seine eigene Farbe.
Farbenfroh wird die Geschichte von Karl Sund, Sohn des berühmten Künstlerpaares August und Ada Stiegenhauer, erzählt.

Im Alter von zehn Jahren haben die Eltern Karl ins Internat abgeschoben. Sie waren sich in ihrem Leben und künstlerischen Schaffen selbst genug, da gab es keinen Platz für den Sohn. Karl hat sich inzwischen voller Enttäuschung von ihnen abgewandt und hatte viele Jahre keinen Kontakt zu seinen Eltern. Jetzt, beinahe zwei Jahrzehnte später, liegt die Mutter nach einer Operation an einem Hirntumor im Krankenhaus, der Vater hat sich erhängt. Er konnte nicht damit umgehen, dass die Mutter vermutlich bei dem Eingriff sterben  wird.

Karl kehrt zurück nach Leinsee, den Wohnort seiner Eltern. Er muss den Vater beerdigen und sich um seine Mutter kümmern, die ihn, den Sohn, für den Vater hält. Mitten in seinem Gefühlschaos und auf der Suche nach Erinnerungen in der Villa der Eltern begegnet ihm ein kleines Mädchen, Tanja. Karl ist fasziniert von ihrer Unbekümmertheit. Eine Freundschaft bahnt sich an.

Leinsee ist Familiendrama, Liebesgeschichte und Künstlerroman zugleich. Mit bildgewaltiger Sprache, behutsam und fesselnd erzählt Anne Reinecke so wunderbar vom Innenleben der Protagonisten und ihrer Entwicklung.

(Simone Bühler)

 

 

Diogenes Verlag, 24,00 Euro
(inkl. MwSt., versandkostenfrei, Lieferzeit: ca. 2 Tage)
ISBN 978-3-257-07014-9

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12.03.2018

J. Courtney Sullivan

All die Jahre

Nora und Theresa wandern 1957 nach Amerika aus. Auf Nora, die vernünftige ältere Schwester wartet in Boston bereits ihr Verlobter Charlie. Die lebenslustige Theresa möchte eine Ausbildung als Lehrerin beginnen.
Aber wie so oft im Leben kommt alles anders als geplant. Theresa wird von einem verheirateten Mann schwanger. Nora und Charlie nehmen das Kind zu sich und geben Patrick fortan als Ihren Sohn aus. Theresa entscheidet sich für ein Leben im Kloster und der Kontakt zwischen den Schwestern bricht ab.
Im Jahr 2009 hat Nora inzwischen vier erwachsene Kinder, die sie alle aufrichtig liebt und die doch alle ihre eigenen Probleme und Nöte haben.
Dann trifft eine dramatische Nachricht die Familie und das Schicksal zwingt alle, sich der Vergangenheit zu stellen.
Finden Nora und Theresa nach all den Jahren noch einmal zueinander?

Eine spannende Familiengeschichte über mehrere  Generationen mit Missverständnissen, Heimlichkeiten, wunderbaren Charakteren und Begegnungen, die ich mit Genuss gelesen habe.

(Simone Bühler)

Deuticke, 22,00 Euro
(inkl. MwSt., versandkostenfrei, Lieferzeit: ca. 2 Tage)
ISBN 978-3-552-06366-2

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08.01.2018

Lars Mytting

Die Birken wissen's noch

Edvard wächst bei seinem Großvater Sverre auf einem abgelegenen Bauernhof in Norwegen auf. Seine Eltern starben als er drei Jahre alt war auf einer vermeintlichen Urlaubsreise nach
Frankreich. Über ihren Tod und die Hintergründe wurde nie gesprochen. Dabei plagen Edvard immer wieder kleine Erinnerungsfetzen, vor allem die Erinnerung an ein blaues Sommerkleid, das Kleid seiner Mutter.
Bei den Beerdigungsvorbereitungen für den Großvater taucht ein Sarg aus Flammbirke auf, kunstvoll getischlert vom angeblich im 2. Weltkrieg verschollenen Einar, dem Bruder Sverres.
Edvard findet verdächtige Fotos und der Pfarrer hat alte, bisher unter Verschluss gehaltene Briefe für ihn. Und Edvard möchte nun wissen, was damals passiert ist, wie seine Eltern ums Leben kamen, wo seine Wurzeln sind.

Er macht sich auf eine Reise in die Vergangenheit. Seine Nachforschungen führen ihn zu den Shetland Inseln, wo er die geheimnisvolle Gwen kennenlernt. Deren Familiengeschichte ist durch ihren Großvater und Einar mit Edvards Vergangenheit verwoben. Ein spezielles Nussbaumholz, das von der Unglücksstelle in Frankreich stammt, an der Edvards Eltern starben, scheint dabei das Bindeglied zu sein. Die beiden setzen ihre Suche in Nordfrankreich fort und nach und nach entwirren sich die Fäden der Geschichte, die immer wieder in den Weltkriegen zusammenlaufen und die auch immer im Bezug zum Wald und dem wertvollen Falmmbirkenholz stehen.

Eine fesselnde Familiensaga und zugleich ein romantischer Liebesroman vor dem Hintergrund der tragischen Kriegsereignisse im Europa des letzten Jahrhunderts - mir hat das Buch herrlich spannende Lesestunden bereitet.

(Simone Bühler)
 

 

Insel Verlag, 12,00 Euro
(inkl. MwSt., versandkostenfrei, Lieferzeit: ca. 2 Tage)
ISBN 978-3-458-36283-8

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18.09.2017

Ulrike Edschmid

Ein Mann, der fällt

Ein gemeinsames Leben sollte beginnen in einer gemeinsamen Wohnung in West-Berlin im Jahre 1986. Beim Renovieren aber stürzt der Mann von der Leiter. Inkomplette Querschnittlähmung lautet die Diagnose der Ärzte und er werde nie wieder laufen können. Doch mühsam kämpft sich der Mann auf seine Beine zurück und lernt langsam und mit Stock wieder zu gehen.

Ulrike Edschmid beschreibt den täglichen Kampf ihres Lebensgefährten in dieses neue, andere Leben hinein. In knappen, kurzen Sätzen, mal sehr humorvoll, manchmal beinahe lyrisch schildert sie ihren Alltag als Paar in einzelnen Szenen.

Die Stadt Berlin und das Haus, in dem die beiden leben, sind weitere Protagonisten der Geschichte. Das Eckhaus in Charlottenburg ist laut und turbulent. Im Erdgeschoss werden griechisch-orthodoxe Gottesdienste gefeiert, eine spanische Kneipe veranstaltet bis tief in die Nacht Flamenco-Abende, im vierten Stock betreiben Koreaner eine Suppenküche und blockieren stundenlang den Aufzug, die Verbindung des Mannes nach draußen.

Dann fällt die Berliner Mauer und wieder gibt es Veränderungen im Haus und in der Stadt. Neue Menschen kommen und gehen, die Mieten steigen, das Leben wird schneller und lauter. Und mittendrin der Mann, dessen Leben durch einen Unfall komplett auf den Kopf gestellt und erschwert wurde, bei dem alles nur langsam und trotzdem weiter geht. Er fällt oft mit seinen steifen Beinen, richtet sich auf und geht weiter. Dabei ist seine Frau immer an seiner Seite.

So ist dieses Buch nicht nur die Beobachtung der sich verändernden Stadt Berlin, sondern auch die Erzählung einer berührenden Liebesgeschichte, die über alle Hindernisse hinweg besteht. Der Leser kann ahnen, was es bedeutet, ausgebremst und verletzlich das Leben zu bewältigen und wie das auch die eigene Sicht auf die Welt und die Menschen verändert.
 

(Simone Bühler)

 

 

Suhrkamp Verlag, 20,00 Euro
(inkl. MwSt., versandkostenfrei, Lieferzeit: ca. 2 Tage)
ISBN 978-3-518-42581-7

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03.07.2017

Susann Pásztor

Und dann steht einer auf und öffnet das Fenster


Fred Wiener, ein unscheinbarer, geschiedener Mann, fühlt sich als Versager. Erst die Scheidung, jetzt vereinsamt er zunehmend und seine Kollegen auf der Arbeit belächeln ihn oft spöttisch. Um seinen 13jährigen Sohn Phil kümmert er sich so gut, wie es ihm als alleinerziehendem Vater möglich ist.
Um seinem Leben wenigstens noch etwas Sinn zu geben, hat er sich zum ehrenamtlichen Sterbebegleiter ausbilden lassen. Doch Karla, die unheilbar an Krebs erkrankt ist und ihm als erste Klientin zugeteilt wird, verhält sich so ganz anders als er sich die klassische Sterbende aus dem Lehrbuch vorgestellt hat. Sie ist distanziert und einsilbig, hat ihren sehr eigenen Willen und ist sich nicht sicher, ob sie überhaupt Begleitung beim Sterben haben möchte. Fred geht ihr in seinem Eifer alles richtig machen zu wollen ziemlich auf die Nerven. Erst als Fred lernt, sich auf Karla als Mensch einzulassen, und sie nicht mehr nur als Fall zu sehen, beginnen die beiden sich anzunähern. Ausgerechnet von seinem Sohn Phil erhält Fred Unterstützung. Dieser hat von Karla die Aufgabe erhalten, ihre umfangreiche Fotosammlung zu archivieren und zu digitalisieren. Durch Phils unverkrampfte Art, Karla zu begegnen, findet auch Fred langsam einen Draht zu ihr.
Es entsteht etwas ganz Erstaunliches, eine sehr besondere Beziehung zwischen diesen so verschiedenen Menschen. Manches, was in ihrer Lebensgestaltung schon festgefahren schien, gerät nochmal oder ganz neu in Bewegung. Und am Ende ist es Fred, der das Fenster öffnet, als Karla stirbt.
Susann Pásztor, die selbst als Sterbebegleiterin tätig ist, hat mit feinem Humor ein bewegendes und kluges Buch über das Sterben einer starken Frau, Hilfsbereitschaft und menschliche Größe geschrieben. Eine ganz besondere Annäherung an ein Thema, über das wir nicht gerne reden und mit dem wir uns eigentlich alle nicht gerne auseinandersetzen möchten. Gerade deshalb ist das Buch so empfehlenswert.

Kiepenheuer & Witsch, 20,00 Euro
(inkl. MwSt., versandkostenfrei, Lieferzeit: ca. 2 Tage)
ISBN 978-3-462-04870-4

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