Buchhandlung A. Müller GmbH in Degerloch
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Cornelie Steidel

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Cornelie
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19.03.2018

Heinrich Steinfest

Die Büglerin

Vom Tag ihrer Geburt an führt Tonia Schreiber, die Heldin in Heinrich Steinfests neuestem Roman, ein Leben, das nicht der Norm entspricht. Geboren wird sie auf einer Segelyacht ihrer durch eine Erbschaft reich gewordenen Eltern, beide renommierte Botaniker, die mit ihrer Tochter die Weltmeere befahren.
Als Erwachsene lebt Tonia zusammen mit ihrer Halbschwester und deren Tochter Emilie in der elterlichen Villa in Wien. Als Emilie auf tragische Weise ums Leben kommt, fühlt sich Tonia für den Tod ihrer Nichte verantwortlich. Sie gibt ihr privilegiertes Leben als Meeresbiologin in ihrer Heimatstadt auf und geht mehr oder weniger mittellos nach Deutschland. In Heidelberg verdient sich Tonia Ihren Lebensunterhalt, in dem sie die Wäsche anderer Leute bügelt, was sie sehr sorgfältig und zuverlässig erledigt. Diese Aufgabe und ein sehr bescheidenes Leben hat sie sich selbst als Buße auferlegt.
Einige Jahre später erfährt Tonia durch Zufall mehr über den Menschen, durch dessen Kugel Emilie starb – war es ein Amokläufer oder ein Selbstmörder – und die zentrale Frage nach Schuld und Sühne stellt sich mehr denn je.

Auch wenn der Roman eine traurige und tragische Geschichte erzählt, so ist doch viel Lebensfreude und Humor zwischen den Zeilen versteckt. Mit Hingabe, genauer Beobachtung und Sprachwitz werden unzählige Details liebevoll beschrieben und die handelnden Personen sehr genau charakterisiert. Die Handlung ist verzweigt, manchmal faszinierend ausschweifend, aber nie verwirrend, sondern spannend geschrieben in einem anschaulichen und kreativen Schreibstil. Mich hat das Buch von Anfang an in seinen Bann gezogen, ein poetischer und berührender Roman.

(Cornelie Steidel)

 

Piper Verlag, 20,00 Euro
(inkl. MwSt., versandkostenfrei, Lieferzeit: ca. 2 Tage)
ISBN 978-3-492-05663-2

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18.12.2017

Wilhelm Betz, Cornelie und Uwe Bogen

Stuttgarter Frauen - Charakterköpfe

Im zweiten Band der “Stuttgarter Charakterköpfe” aus dem Silberburg Verlag werden 57 Frauen porträtiert: jeder ganzseitigen Schwarzweißaufnahme steht ein ausführlicher Text gegenüber.
Für Stuttgart-Kenner sind die meisten Frauen keine Unbekannten. Das Cover zeigt zum Beispiel die Wirtin des legendären Kings Clubs und Kommunalpolitikerin Laura Halding-Hoppenheit. Aber auch weniger bekannte Frauen gilt es zu entdecken.

Der Fotograf Wilhelm Betz und die Autoren Uwe Bogen, der Redakteur bei den Stuttgarter Nachrichten ist und die Radiojournalistin Conny Mertz-Bogen haben eine subjektive Auswahl getroffen, die aber trotzdem ein weites Spektrum umfasst. Es geht um Frauen, die mit Stuttgart zu tun haben, dort arbeiten und auf ihre eigene Art das Leben in Stuttgart bereichern und prägen. Sie kommen aus Kultur, Politik, Wirtschaft, Sport oder Gastronomie. Exemplarisch seien die Chefinnen der vier großen Museen, die Politikerinnen Muhterem Aras und Nicole Hoffmeister-Kraut oder die Extrembergsteigerin Heidi Sand erwähnt.
Viele der ausdrucksstarken  Fotografien wurden in der gewohnten Umgebung der Porträtierten gemacht, also bei ihnen zu Hause oder an ihren Arbeitsstätten. Auch bei den weiblichen Charakteren hat der Fotograf auf Retusche oder Beleuchtungseffekte verzichtet, er will die Modelle in ihrer eigenen Ästhetik darstellen.

Die Texte sind informativ, und ich selbst finde es spannend über Frauen nachzulesen, die ich vielleicht vom Sehen oder sogar persönlich kenne oder deren Namen ich in der Presse lese und nicht genau weiß, wie sie aussehen. Ein Buch, das man immer wieder in die Hand nimmt und blättert und dabei viel Interessantes über ein vielfältiges und buntes Stuttgart erfährt.

Ein wunderschönes Geschenk.

(Cornelie Steidel)

 

Silberburg Verlag, 29,90 Euro
(inkl. MwSt., versandkostenfrei, Lieferzeit: ca. 2 Tage)
ISBN 978-3-8425-2047-9

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25.09.2017

Mariana Leky

Was man von hier aus sehen kann

Die Geschichte spielt Ende des letzten Jahrhunderts in einem kleinen Dorf im Westerwald. Die Einwohner des Dorfes und deren Lebensumstände lernt der Leser durch die Augen der Ich-Erzählerin Luise kennen. Das Buch beginnt als Luise zehn Jahre alt ist und endet mit ihrem 35.Lebensjahr.
Die wichtigsten Bezugspersonen für Luise sind ihre Großmutter Selma und der Optiker des Dorfes, der die Großmutter liebt. Bei Ihnen wächst Luise auf. Die Witwe Selma stellt eine Art Dorfälteste dar, in deren altes, fast baufälliges Haus alle Dorfbewohner gerne kommen und um Rat bitten. Selbst den Tod kann Selma voraussehen, immer dann, wenn ihr im Traum ein Okapi erscheint, wird am nächsten Tag im Dorf jemand sterben.
Auch wenn Luise immer wieder mit dem Tod konfrontiert wird, ist dieser Roman keineswegs eine düstere Lektüre, sondern erzählt mal melancholisch mal heiter von der wundersamen Welt des kleinen Dorfes, dessen skurrile Einwohner sehr liebevoll beschrieben werden. Alle sind auf eine besondere Weise und in einer tiefen Zuneigung miteinander verbunden trotz ihrer persönlichen Eigenheiten und Probleme.


Der Leser wird in diese halb realistische, halb fantastische Szenerie unwillkürlich hineingezogen, was nicht zuletzt an der originellen Sprache und humorvollen Erzählweise liegt. Ein sympathisches, berührendes und sehr unterhaltsames Buch.


(Cornelie Steidel)

 

 

Dumont Verlag, 20,00 Euro
(inkl. MwSt., versandkostenfrei, Lieferzeit: ca. 2 Tage)
ISBN 978-3-8321-9839-8

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10.07.2017

Sabine Bode

Das Mädchen im Strom

Gudrun Samuel, die Heldin des Buches, kommt 1921 in Mainz als Tochter einer großbürgerlichen, deutsch-jüdischen Familie zur Welt.
Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten endet ihr sorgenfreies Leben. Als Gudrun versucht, Deutschland zu verlassen, wird sie von der Gestapo inhaftiert. 1940 gelingt ihr eine abenteuerliche Flucht nach Shanghai, wohin bereits viele Juden geflohen sind. Erst 1947 kommt Gudrun über zahlreiche Umwege wieder nach Europa und beginnt in London ein neues Leben. Sie erfährt, dass ihre Eltern umgekommen sind, ihr Jugendfreund Martin gefallen und ihre Jugendfreundin Margot in die USA ausgewandert ist. Trotzdem kehrt Gudrun mit ihrem britischen Ehemann schließlich nach Mainz zurück.
So schließt sich der Kreis eines bewegten Lebens. Die Autorin Sabine Bode - bekannt durch ihre Sachbücher über die Nachkriegszeit – zeichnet in ihrem ersten Roman sehr ergreifend das Bild einer Generation, die durch Diktatur und Krieg zur Flucht gezwungen wird. Beeindruckend ist, dass Gudrun trotz vieler traumatischer Erlebnisse ihren Lebensmut nicht verliert. Durch die detailgenaue Beschreibung ihres persönlichen Schicksals – besonders ihre Odyssee um die halbe Welt - erfährt der Leser viel über eine Epoche des 20. Jahrhunderts, die von den zwanziger Jahren bis in die neunziger Jahre reicht, und das ausgesprochen lebendig und kenntnisreich - eine lohnende Lektüre.

Klett-Cotta, 20,00 Euro
(inkl. MwSt., versandkostenfrei, Lieferzeit: ca. 2 Tage)
ISBN 978-3-608-96200-0

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02.05.2017

Wolfgang Schorlau

Die schützende Hand

Immer dann, wenn in den Kriminalromanen Wolfgang Schorlaus der Privatermittler Georg Dengler  zum Einsatz kommt, geht es um ein brisantes Thema des aktuellen Zeitgeschehens.


Vor dem Hintergrund der Mordserie des Nationalsozialistischen Untergrunds erhält Dengler einen anonymen Auftrag. Er soll klären, wie die NSU-Mörder Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt am 4.11.2011 in Eisenach-Stregda zu Tode kamen. Offiziell begehen sie in einem Wohnmobil, in dem sie sich nach einem Banküberfall verstecken, Selbstmord. In den Trümmern des ausgebrannten Wohnmobils entdeckt die Polizei außerdem Schusswaffen, die belegen, dass der NSU auch für den Mord an der Polizistin Michele Kiesewetter in Heilbronn verantwortlich ist.
Aber die Geschichte, die Wolfgang Schorlau nun erzählt, weicht von der von den  Behörden vertretenen Version und von dem, was in Zeitungen zu lesen ist, erheblich ab. Sein Privatermittler Dengler greift zahlreiche Ungereimtheiten auf, die bei den Ermittlungen zu dem Tod der NSU-Täter aufgetreten sind und stellt so das Versagen der Ermittlungsbehörden bloß. Gibt es eine Hand, die die Mörder schützt? Auch die äußerst zweifelhafte Rolle des Verfassungsschutzes in Thüringen wird erschreckend deutlich beschrieben. Da viele Originalquellen, wie Auszüge aus Protokollen, Gutachten oder Gerichtsakten in den fiktiven Text eingearbeitet sind, wird der sorgfältig recherchierte Roman beklemmend real.


So ist das Buch nicht nur ein spannender Krimi, sondern es zwingt den Leser zur  Auseinandersetzung mit den unerhörten Vorgängen der bis heute noch nicht abgeschlossenen NSU-Ermittlungen, und das auf eine wirklich lesbare und verständliche Art.

Sehr empfehlenswert und jetzt als Taschenbuch erhältlich.


(Cornelie Steidel)


 

Kiepenheuer & Witsch, 9,99 Euro
(inkl. MwSt., versandkostenfrei, Lieferzeit: ca. 2 Tage)
ISBN 978-3-462-04931-2

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13.02.2017

Ida Simons

Vor Mitternacht

“Vor Mitternacht” spielt in den 1920iger Jahren im niederländischen  Den Haag und dem belgischen Antwerpen und berichtet vom turbulenten Leben zweier jüdischer  Familien. Erzählt wird aus der Perspektive der zwölfjährigen Gittel. Ida Simons schildert mit feinem Humor die berührende Geschichte eines jüdischen  Mädchens, angereichert mit zahlreichen Anekdoten, die sich um skurrile Verwandte und Freunde der Familie ranken.


Immer, wenn es Streit im Elternhaus gibt, reist die Mutter zu ihrer Familie nach Antwerpen und nimmt die Tochter mit. Dort lernt Gittel bei einem Besuch in der Synagoge die um einige Jahre ältere Lucie kennen und freundet sich mit ihr an. Fortan ist sie ein häufiger Gast im Hause ihrer Freundin, auch darf sie auf dem Flügel der feinen, ganz anderen Familie spielen. Doch ihre Freundschaft zur geliebten Lucie wird auf eine harte Probe gestellt und konfrontiert Gittel mit der Frage, wem kann ich auf dieser Welt vertrauen?


Die Autorin Ida Simons wurde  1911 in Antwerpen geboren und war eine gefeierte Konzertpianistin. 1943 wurde Ida Simons mit ihrer Familie deportiert und kam nach Theresienstadt, sie überlebte und kam 1945 frei. Nach dem Krieg musste sie ihre Karriere als Pianistin aufgeben. Zurück in Scheveningen begann sie zu schreiben.


„Vor Mitternacht“ wurde erstmals 1959 in den Niederlanden veröffentlicht und war schon kurz nach Erscheinen ein Bestseller. Lange vergessen verdient das Buch neu entdeckt und gelesen zu werden.

(Cornelie Steidel)

 

Luchterhand Verlag, 20,00 Euro
(inkl. MwSt., versandkostenfrei, Lieferzeit: ca. 2 Tage)
ISBN 978-3-630-87507-1

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