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Marlene Kunz-Schweikert

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17.12.2018

Petra Durst-Benning

Die Fotografin

Wussten Sie, dass schon Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts Fotos retuschiert wurden? Taillen schlanker und lichte Bärte voller gemacht sowie mit falschen Schneeflocken Winterstimmung erzeugt wurde? Diese und mehr interessante Details verrät Petra Durst-Benning in ihrem neuesten Roman „Die Fotografin“. 

Mimi Reventlow, eine junge Frau aus gutbürgerlichem Hause in Esslingen, möchte mehr vom Leben als sich um Haus und Familie zu kümmern. Sie hat Glück und ihre Eltern unterstützen sie in ihrem Bestreben, von ihrem Onkel alles über die Fotografie zu lernen. Der Onkel ist Wanderfotograf zu einer Zeit, als es noch kaum Fotostudios gibt, geschweige denn die Menschen eigene Fotoapparate besitzen. Er fährt von Ort zu Ort über die Schwäbische Alb und bietet seine Dienste an. Die Bauern und Arbeiter haben kaum Geld zum Leben, aber eine Fotografie zu Hochzeit, Taufe und Konfirmation gehört dazu und wird oft vom Munde abgespart. Mimi ist fasziniert von diesem bewegten Leben und geht gegen alle Vorbehalte auf in ihrem Beruf.

„Die Fotografin“ hat mich sehr gefesselt. Die  Autorin erzählt klar und schnörkellos nicht nur über das Leben der Wanderfotografen, sondern auch über das harte Leben auf der Schwäbischen Alb, wo in Laichingen die Leinenweber ihr karges Auskommen hatten.

(Marlene Kunz-Schweikert)
 

 

 

Blanvalet, 20,00 Euro
(inkl. MwSt., versandkostenfrei, Lieferzeit: ca. 2 Tage)
ISBN 978-3-7645-0662-9

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08.10.2018

Joachim Mohr

Der Revolutionär, der Kapitalist und das Streben nach Glück

Dies ist eine Geschichte über die Revolutionszeit um 1848 in Schwaben und zwei Auswanderer, die ihre Heimat aus sehr unterschiedlichen Gründen verlassen haben, um in Amerika ein neues Leben zu beginnen.

Jakob Friedrich Schöllkopf ist mir als Kind oft in Form einer nach ihm benannten Schule begegnet. Warum vor dieser Schule eine alte Dampfmaschine stand, war mir egal. Mir reichte es, dass ich darauf wunderbar herumklettern konnte. Im Geschichtsunterricht habe ich über diesen seinerzeit bedeutenden Industriellen leider nie etwas gelernt. Dabei hat er sogar die ersten Wasserkraftwerke an den Niagarafällen erbaut. Er verließ seine Heimatstadt Kirchheim unter Teck als gelernter Gerber schon lange vor der Revolution, da er in Europa keine wirtschaftliche Zukunft für sich sah. In der neuen Heimat baute er sich mit großem Geschick bald ein ganzes Imperium auf.

Über Friedrich Tritschler hingegen wusste ich bisher gar nichts. In Kirchheim erinnerte lange Zeit kein öffentlicher Ort an den Revolutionär. Erst 2016 wurde eine Straße nach ihm benannt. Tritschler war ein einfacher Seifensieder. Sein eigentliches Interesse aber lag im Streben nach Freiheit und Demokratie. All sein Geld, seine Energie und Redegewandtheit steckte er in den Kampf gegen die Unterdrückung des Volkes durch die Herrschenden. Eine Zeit lang schien es, als hätte die Revolution Erfolg und die Zustände würden sich bessern. Schlussendlich aber musste Tritschler um sein Leben fürchten und wanderte ebenfalls nach Amerika aus.

Der Autor schreibt in Form eines fiktiven Notizbuchs aus der Sicht von Jakob Friedrich Schöllkopf. Dieses hat es nie gegeben. Aber alle Fakten stimmen, alle Personen haben wirklich gelebt und die Protagonisten haben sich persönlich gekannt.
Ich kann das Buch allen empfehlen, die einen unterhaltsamen und lebendigen Einblick in lokale Zeitgeschichte bekommen möchten.

(Marlene Kunz-Schweikert)

 

 

 

Klöpfer & Meyer Verlag, 20,00 Euro
(inkl. MwSt., versandkostenfrei, Lieferzeit: ca. 2 Tage)
ISBN 978-3-86351-468-6

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16.07.2018

J. Ryan Stradal

Die Geheimnisse der Küche des mittleren Westens

Als Eva Thorvald nur wenige Monate alt ist, verschwindet ihre Mutter. Auch der weitere Lebensweg des Mädchens ist nicht gerade von Glück gesäumt. Aber Eva bekommt auch etwas vom Leben geschenkt:  einen überaus feinen Geschmackssinn –  und die Liebe zu Lebensmitteln und die Gabe, aus ihnen köstliche Gerichte zu zaubern.

Schon als Kleinkind erlebt Eva den Gemüsemarkt als ein Paradies der Farben und Aromen. Ein paar Jahre später züchtet sie heimlich höllisch scharfe Chilis. Als Jugendliche hilft sie in einer Restaurantküche aus und überrascht den Besitzer mit ihrem Kochtalent. So beginnt ihre Karriere und schon als junge Erwachsene ist sie eine der gefragtesten Köchinnen Nordamerikas. Ihre Pop-Up-Dinners sind auf Jahre hin ausgebucht. Ihre Gäste zahlen Unsummen, um sich an ihnen unbekannten Orten von Evas Menüs verzaubern zu lassen.
Evas Geschichte wird nicht nur von ihr selbst erzählt. Zu Wort kommen auch Menschen, deren Leben mit dem ihren eng verknüpft sind oder es nur flüchtig berühren. Das macht den Roman überraschend, vielschichtig und lebendig. 

Diogenes, 13,00 Euro Euro
(inkl. MwSt., versandkostenfrei, Lieferzeit: ca. 2 Tage)
ISBN 978-3-257-24420-5

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30.04.2018

Anthony McCarten

Jack

Jan will unbedingt die erste Biographie über Jack Kerouac, das Idol der Beatniks, schreiben. Um ihren Traum zu verwirklichen gibt sie sich als Literaturwissenschaftlerin aus und reist nach Florida, wo der Autor bei seiner Mutter lebt. An einem Interview, geschweige denn einer Biographie hat Kerouac keinerlei Interesse.

Sein Ruhm ist längst Vergangenheit. Schon als sein Roman „Unterwegs“ zum Kultbuch wurde, fühlte sich der Autor von den jugendlichen Lesern meilenweit entfernt. Jetzt ist er nur noch ein alternder Alkoholiker, der nichts mehr vom Leben erwartet. Und nicht zuletzt hat er mit dem Schreiben dieser Geschichte das Leben seines besten Freundes zerstört. 

Anthony McCarten ist ein vielseitiger Erzähler, der in „Jack“ mit gezielten Worten und äußerst verblüffenden Wendungen eine solche Spannung erzeugt, dass ich das Buch nicht weglegen konnte. Und ganz nebenbei habe ich etwas über einen Autor gelernt, von dem ich bisher kaum mehr als den Namen kannte.

(Marlene Kunz-Schweikert)

 

Diogenes Verlag, 22,00 Euro
(inkl. MwSt., versandkostenfrei, Lieferzeit: ca. 2 Tage)
ISBN 978-3-257-06856-6

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12.02.2018

Kent Haruf

Lied der Weite

„Lied der Weite“ ist das Debüt des Autors Kent Haruf, der hierzulande mit „Unsere Seelen bei Nacht“ bekannt wurde. Was vermutlich nur wenige wissen: dieses Buch erschien bereits vor 15 Jahren unter dem Titel „Flüchtiges Glück“ auf Deutsch – leider mit wenig Erfolg. Wie schön, dass es immer eine zweite Chance im Leben gibt!

Genau darum geht es auch in „Lied der Weite“. In einer Kleinstadt in den Weiten der Great Plains zieht die ungewollte Schwangerschaft eines Mädchens ungeahnte Begegnungen nach sich. Victoria wird von ihrer Mutter buchstäblich vor die Tür gesetzt. Sie findet Unterschlupf bei der jungen Lehrerin Maggie, aber das Zusammenleben mit deren dementem Vater geht nicht lange gut. Schließlich überredet Maggie die McPheron-Brüder, Victoria auf ihrem Hof unterzubringen. Die beiden alten Farmer sind Junggesellen und weibliche Gesellschaft nicht gewohnt. Erst äußerst widerwillig, aber mit der Zeit immer mehr von Herzen kümmern sich die beiden alten Männer um das Mädchen.

Dieser Roman ist eine Entdeckung wert: in einer klaren schnörkellosen Sprache erzählt Kent Haruf Geschichten von ganz normalen Menschen in einer Kleinstadt, wie es sie überall auf der Welt gibt. Das aber tut er mit so viel Zuneigung zu den menschlichen Stärken und Schwächen, dass es ein Genuss ist, über sie zu lesen.

(Marlene Kunz-Schweikert)

 

Diogenes Verlag, 24,00 Euro
(inkl. MwSt., versandkostenfrei, Lieferzeit: ca. 2 Tage)
ISBN 978-3-257-07017-0

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13.11.2017

Paolo Cognetti

Acht Berge

Pietro lebt mit seinen Eltern in Mailand. Eines Tages kauft sein Vater, der die Hektik der Großstadt nicht mehr erträgt, ein Haus in einem abgelegenen Dorf in den Alpen. Die Familie zieht um und so wächst Pietro fern der Stadt und inmitten der Berge auf. Im  Nachbarsjungen Bruno findet er einen Freund in seinem Alter. Brunos Familie lebt schon seit Generationen im Dorf und verdient ihren Lebensunterhalt mit der harten Arbeit auf einem Bergbauernhof. Die beiden Jungen streifen durch die Gegend, erkunden verfallene Steinhäuser und fangen Fische in klaren Bergbächen. Ihre Freundschaft braucht nicht viele Worte und hält auch bis die beiden Jungen zu Männern heranwachsen. Dann trennen sich ihre Wege: Pietro zieht es als Dokumentarfilmer in die Welt, während Bruno den Hof seiner Eltern übernimmt. Doch immer wieder kehrt Pietro in die Berge und zu Bruno zurück. Und er stellt sich die Frage, wo seine Heimat ist und was er wirklich will im Leben.

Ohne überflüssige Worte beschreibt der Autor die Weite und Freiheit der Bergwelt, die Pietros Vater anzieht, ebenso wie ihre Kargheit und Enge, die Pietro dazu bringt, eines Tages von dort wegzugehen.

Wer die ruhige, sparsame Sprache von Robert Seethalers „Ein ganzes Leben“ mag, dem wird auch dieses Buch gefallen.

(Marlene Kunz-Schweikert)

 

 

DVA Verlag, 20,00 Euro
(inkl. MwSt., versandkostenfrei, Lieferzeit: ca. 2 Tage)
ISBN 978-3-421-04778-6

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28.08.2017

Silke Schlichtmann

Bluma und das Gummischlangengeheimnis

Bluma steckt in Schwierigkeiten. In nullkommanix ist aus einem ganz normalen Tag einer der schlimmsten ihres Lebens geworden. Nun hat die Neunjährige nicht nur ein Problem zu lösen, sondern gleich einen Riesenberg davon!
Wie soll sie sich je wieder mit ihrer besten Freundin Rosa versöhnen? Wie ihren Eltern die Fünf in Mathe beichten und sie zugleich davon überzeugen, dass die Familie ganz dringend den Hund ihrer Nachbarin, die ins Altenheim ziehen wird, bei sich aufnehmen muss? Und wie kann sie wiedergutmachen, dass sie Alice, ihrer liebsten Nebennachbarin, eine der wertvollen Zaubergummischlangen geklaut hat?


Wie Bluma verzweifelt nach Antworten sucht, tagelang grübelt und dabei manche Dinge eher schlimmer als besser macht, habe ich voller Sympathie für das Mädchen gelesen. Ich habe sie ins Herz geschlossen und mich mit ihr gefreut, als sie endlich auf die eigentlich doch so einfache Lösung für ihre Probleme kommt…

empfohlen ab 8 Jahre

(Marlene Kunz-Schweikert)

Hanser Verlag, 12,00 Euro
(inkl. MwSt., versandkostenfrei, Lieferzeit: ca. 2 Tage)
ISBN 978-3-446-25701-6

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