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Marlene Kunz-Schweikert

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22.07.2019

Anna Woltz

Hundert Stunden Nacht

Emilia hasst ihren Vater. Für das was er getan hat, und für das was er ihr dadurch angetan hat.Egal ob in der Schule, in den Zeitungen oder im Internet: alle Welt zerreißt sich das Maul darüber, gibt Kommentare auf Twitter ab oder schickt bösartige Mails.

Emilia nimmt die Kreditkarte ihres Vaters, bucht einen Flug und ein Apartment in New York und haut ab. Ihre Eltern lässt sie im Glauben, sie wäre nach Deutschland zu einer Bekannten gefahren. In Wirklichkeit sitzt sie am Flughafen, das Handy ausgeschaltet, damit sie es sich nicht doch noch anders überlegt.

Stunden später steht sie in New York, der Stadt ihrer Träume, und landet hart auf dem Boden der Tatsachen: das Apartment ist bezahlt, aber nicht vorhanden! Stattdessen trifft sie an dieser Adresse auf einen abweisenden Jungen in ihrem Alter, seine eigensinnige jüngere Schwester Abby und den atemberaubend gutaussehenden Jim.
Noch weiß Emilia nicht, dass sie mit diesen dreien die nächsten Tage auf engstem Raum verbringen wird. Wirbelsturm Sandy ist auf dem Weg nach New York und schon bald wird es weder Strom, fließendes Wasser und Kontakt zur Außenwelt geben.

Dieses Buch hat mich von der ersten bis zur letzten Seite nicht losgelassen. Sowohl Emilias Geschichte als auch die ihrer Leidensgenossen sind spannend und dicht erzählt und gehen einem nahe. Und die Beschreibung der Stadt New York kommt auch nicht zu kurz. Für Jugendliche ab 14 ein tolles Buch.

(Marlene Kunz-Schweikert)

 

 

Carlsen Verlag, 7,99 Euro
(inkl. MwSt., versandkostenfrei, Lieferzeit: ca. 2 Tage)
ISBN 978-3-551-31803-9

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20.05.2019

Gabriele Clima

Der Sonne nach

Dario ist 16 und seit sein Vater die Familie verlassen hat, ist ihm alles egal. Er randaliert in der Schule und pöbelt die Lehrer an. Als sein Rektor ihm deshalb gemeinnützige Arbeit aufbrummt, ist ihm auch die zu Anfang total egal. Bis er Andy kennenlernt, der im Rollstuhl sitzt und als schwerbehinderter Schüler jeden Tag Begleitung in der Schule benötigt. Dario hat sofort einen Draht zu Andy. Als er sieht, wie herablassend und mitleidig die zuständige Helferin den Jungen behandelt, brennt Dario kurzerhand mit ihm durch. Er löst ein Ticket in den Süden Italiens und für die beiden beginnt eine Reise, die alles verändern wird.

Hanser, 14,00 Euro
(inkl. MwSt., versandkostenfrei, Lieferzeit: ca. 2 Tage)
ISBN 978-3-446-26260-7

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01.04.2019

Martina Bergmann

Mein Leben mit Martha

Martina Bergmann ist jung, berufstätig, alleinstehend und ahnt nicht, dass sie bald in einer Wohngemeinschaft mit Martha leben wird. Die alte Dame trägt am liebsten Glitzerschuhe, sie liebt „aufgeräumtes“ Essen und große Eisbecher, räumt stundenlang ohne sichtbares Ergebnis das Haus auf und lagert ihre Blumentöpfe in der Spülmaschine. Ihr Lebensgefährte Heinrich nennt diesen Zustand „poetische Verfassung“, alle anderen würden „dement“ sagen. Als Heinrich stirbt, möchte Martina nicht, dass Martha in ein Pflegeheim gesteckt wird. Sie beschließt trotz aller Einwände, bei Martha einzuziehen und ihr zu helfen. Natürlich kommen sofort Gerüchte auf, die junge Frau würde sich am Pflegegeld bereichern und das Erbe erschleichen wollen. Überraschenderweise erfährt Martina gerade von der am wenigsten erwarteten Seite große Unterstützung: von Beamten der zuständigen Stellen.

„Mein Leben mit Martha“ erzählt die Zeit des Kennenlernens und Zusammenlebens der beiden Frauen, wie Martina die alte Dame in ihren Alltag integriert und sich für ihre Belange einsetzt, pragmatisch, energisch, liebevoll. Sie sieht die Demenz nicht als Krankheit, sondern als „Speicherfehler“ und lässt Martha so viele Freiheiten wie möglich. Die relativ leichte Form der Demenz lässt dies zu, sorgt aber natürlich auch immer wieder für Aufregung in der Nachbarschaft.

Klar und direkt erzählt, mit einem verständnisvollen und warmherzigen Blick – ein lesenswertes Buch.

(Marlene Kunz-Schweikert)

Eisele, 18,00 Euro
(inkl. MwSt., versandkostenfrei, Lieferzeit: ca. 2 Tage)
ISBN 978-3-96161-053-2

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17.12.2018

Petra Durst-Benning

Die Fotografin

Wussten Sie, dass schon Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts Fotos retuschiert wurden? Taillen schlanker und lichte Bärte voller gemacht sowie mit falschen Schneeflocken Winterstimmung erzeugt wurde? Diese und mehr interessante Details verrät Petra Durst-Benning in ihrem neuesten Roman „Die Fotografin“. 

Mimi Reventlow, eine junge Frau aus gutbürgerlichem Hause in Esslingen, möchte mehr vom Leben als sich um Haus und Familie zu kümmern. Sie hat Glück und ihre Eltern unterstützen sie in ihrem Bestreben, von ihrem Onkel alles über die Fotografie zu lernen. Der Onkel ist Wanderfotograf zu einer Zeit, als es noch kaum Fotostudios gibt, geschweige denn die Menschen eigene Fotoapparate besitzen. Er fährt von Ort zu Ort über die Schwäbische Alb und bietet seine Dienste an. Die Bauern und Arbeiter haben kaum Geld zum Leben, aber eine Fotografie zu Hochzeit, Taufe und Konfirmation gehört dazu und wird oft vom Munde abgespart. Mimi ist fasziniert von diesem bewegten Leben und geht gegen alle Vorbehalte auf in ihrem Beruf.

„Die Fotografin“ hat mich sehr gefesselt. Die  Autorin erzählt klar und schnörkellos nicht nur über das Leben der Wanderfotografen, sondern auch über das harte Leben auf der Schwäbischen Alb, wo in Laichingen die Leinenweber ihr karges Auskommen hatten.

(Marlene Kunz-Schweikert)
 

 

 

Blanvalet, 20,00 Euro
(inkl. MwSt., versandkostenfrei, Lieferzeit: ca. 2 Tage)
ISBN 978-3-7645-0662-9

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08.10.2018

Joachim Mohr

Der Revolutionär, der Kapitalist und das Streben nach Glück

Dies ist eine Geschichte über die Revolutionszeit um 1848 in Schwaben und zwei Auswanderer, die ihre Heimat aus sehr unterschiedlichen Gründen verlassen haben, um in Amerika ein neues Leben zu beginnen.

Jakob Friedrich Schöllkopf ist mir als Kind oft in Form einer nach ihm benannten Schule begegnet. Warum vor dieser Schule eine alte Dampfmaschine stand, war mir egal. Mir reichte es, dass ich darauf wunderbar herumklettern konnte. Im Geschichtsunterricht habe ich über diesen seinerzeit bedeutenden Industriellen leider nie etwas gelernt. Dabei hat er sogar die ersten Wasserkraftwerke an den Niagarafällen erbaut. Er verließ seine Heimatstadt Kirchheim unter Teck als gelernter Gerber schon lange vor der Revolution, da er in Europa keine wirtschaftliche Zukunft für sich sah. In der neuen Heimat baute er sich mit großem Geschick bald ein ganzes Imperium auf.

Über Friedrich Tritschler hingegen wusste ich bisher gar nichts. In Kirchheim erinnerte lange Zeit kein öffentlicher Ort an den Revolutionär. Erst 2016 wurde eine Straße nach ihm benannt. Tritschler war ein einfacher Seifensieder. Sein eigentliches Interesse aber lag im Streben nach Freiheit und Demokratie. All sein Geld, seine Energie und Redegewandtheit steckte er in den Kampf gegen die Unterdrückung des Volkes durch die Herrschenden. Eine Zeit lang schien es, als hätte die Revolution Erfolg und die Zustände würden sich bessern. Schlussendlich aber musste Tritschler um sein Leben fürchten und wanderte ebenfalls nach Amerika aus.

Der Autor schreibt in Form eines fiktiven Notizbuchs aus der Sicht von Jakob Friedrich Schöllkopf. Dieses hat es nie gegeben. Aber alle Fakten stimmen, alle Personen haben wirklich gelebt und die Protagonisten haben sich persönlich gekannt.
Ich kann das Buch allen empfehlen, die einen unterhaltsamen und lebendigen Einblick in lokale Zeitgeschichte bekommen möchten.

(Marlene Kunz-Schweikert)

 

 

 

Klöpfer & Meyer Verlag, 20,00 Euro
(inkl. MwSt., versandkostenfrei, Lieferzeit: ca. 2 Tage)
ISBN 978-3-86351-468-6

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16.07.2018

J. Ryan Stradal

Die Geheimnisse der Küche des mittleren Westens

Als Eva Thorvald nur wenige Monate alt ist, verschwindet ihre Mutter. Auch der weitere Lebensweg des Mädchens ist nicht gerade von Glück gesäumt. Aber Eva bekommt auch etwas vom Leben geschenkt:  einen überaus feinen Geschmackssinn –  und die Liebe zu Lebensmitteln und die Gabe, aus ihnen köstliche Gerichte zu zaubern.

Schon als Kleinkind erlebt Eva den Gemüsemarkt als ein Paradies der Farben und Aromen. Ein paar Jahre später züchtet sie heimlich höllisch scharfe Chilis. Als Jugendliche hilft sie in einer Restaurantküche aus und überrascht den Besitzer mit ihrem Kochtalent. So beginnt ihre Karriere und schon als junge Erwachsene ist sie eine der gefragtesten Köchinnen Nordamerikas. Ihre Pop-Up-Dinners sind auf Jahre hin ausgebucht. Ihre Gäste zahlen Unsummen, um sich an ihnen unbekannten Orten von Evas Menüs verzaubern zu lassen.
Evas Geschichte wird nicht nur von ihr selbst erzählt. Zu Wort kommen auch Menschen, deren Leben mit dem ihren eng verknüpft sind oder es nur flüchtig berühren. Das macht den Roman überraschend, vielschichtig und lebendig. 

Diogenes, 13,00 Euro Euro
(inkl. MwSt., versandkostenfrei, Lieferzeit: ca. 2 Tage)
ISBN 978-3-257-24420-5

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30.04.2018

Anthony McCarten

Jack

Jan will unbedingt die erste Biographie über Jack Kerouac, das Idol der Beatniks, schreiben. Um ihren Traum zu verwirklichen gibt sie sich als Literaturwissenschaftlerin aus und reist nach Florida, wo der Autor bei seiner Mutter lebt. An einem Interview, geschweige denn einer Biographie hat Kerouac keinerlei Interesse.

Sein Ruhm ist längst Vergangenheit. Schon als sein Roman „Unterwegs“ zum Kultbuch wurde, fühlte sich der Autor von den jugendlichen Lesern meilenweit entfernt. Jetzt ist er nur noch ein alternder Alkoholiker, der nichts mehr vom Leben erwartet. Und nicht zuletzt hat er mit dem Schreiben dieser Geschichte das Leben seines besten Freundes zerstört. 

Anthony McCarten ist ein vielseitiger Erzähler, der in „Jack“ mit gezielten Worten und äußerst verblüffenden Wendungen eine solche Spannung erzeugt, dass ich das Buch nicht weglegen konnte. Und ganz nebenbei habe ich etwas über einen Autor gelernt, von dem ich bisher kaum mehr als den Namen kannte.

(Marlene Kunz-Schweikert)

 

Diogenes Verlag, 22,00 Euro
(inkl. MwSt., versandkostenfrei, Lieferzeit: ca. 2 Tage)
ISBN 978-3-257-06856-6

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